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Pyrmonter Salon ist eine reizvolle Renaissance der Salonkultur

von Titus Malms
Mit der Gründung des Pyrmonter Salons sollen die in diesem tradi­tionsreichen Badeort vorhandenen musischen Möglichkeiten neue Gestaltungskraft entfalten. In lebendiger Erinnerung an den einst von einer Pyrmonterin geprägten bedeutenden Berliner Salon Sander soll unser reiches kulturelles Erbe zeitgemäß interpretiert werden. Es ist allgemein bekannt, welch nachhaltigen emanzipatorischen Einfluss die literarisch-musikalischen Salons des 18. und 19. Jahrhunderts auf die Entwicklung der bürgerlichen Kultur ausgeübt haben. In zwanglos zusammengesetzten geistreichen Zirkeln versammelten sich Tag für Tag Literaten, Künstler, Gelehrte, Schauspieler, Diplomaten und Philosophen am Teetisch von gebildeten Gastgeberinnen. Neben den Berliner Salons von Rahel Levin (der späteren Varnhagen) und Henriette Herz war es der besonders wichtige und einflussreiche Salon von Sophie Sander (1768 – 1828), der ganz außergewöhnliche Persönlich-keiten anzog. Sie hatte als Tochter des Pyrmonter Brunnendirektors Diederichs mit 17 Jahren den Privatgelehrten und Verleger Johann Daniel Sander geheiratet, der u. a. Goethes „Korrektor letzter Hand“ war. Ein Zeitgenosse beschreibt Madame Sander als „eine hübsche, zierliche Frau von etwa 30 Jahren, mittlerer Größe, mit scharfen braunen Augen, und von vielem Verstande. Sie hat einen feinen Geschmack und sehr gebildete Lektüre. Es versammeln sich bei ihr Leute von allen literarischen Parteien, und sie weiß sie alle für sich einzunehmen.“ Jean Paul nennt sie „eine schöne, sternenvolle Winternacht“, sie war „die Sonne, um die sich alle Berliner drehten“. 

Pyrmonter Salon - ein Haus mit Historie

Es ist ein glückliches Geschick, dass der „Pyrmonter Salon“ sein Domizil in einem Haus gefunden hat, das nach umfassender Renovierung der Pyrmonter Tradition verbunden bleibt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts errichtet, war es im 19. Jahrhundert u. a. die Adresse der Posthalterei Pyrmonts. Es wurde hernach der Wohnsitz des Architekten und Ziegelei-Besitzers Frie­drich Gösling, nach dem die Stadt auch eine Straße benannte. An der Ausschreibung zum Bau des Reichstags beteiligte er sich mit einem Entwurf, der an den Stil Antoni Gaudís erinnert. Als weitere bekannte Persönlichkeiten logierten hier z. B.:

  • 1783 der bedeutende Vertreter der Aufklärung, der jüdische Philosoph Moses Mendelssohn.
  • 1830 nutzte der Arzt Dr. Friedrich Steinmetz seinen Aufenthalt, um die Dunsthöhle genau zu untersuchen und eine grundlegende Schrift über seine entsprechenden Experimente herauszugeben.
  • Der Lyriker und Erzähler Emil Prinz von Schönaich-Carolath trug im Jahre 1901 wesentlich dazu bei, hier der Einweihung des ersten deutschen Lortzing-Denkmals einen würdigen Rahmen zu geben.
  • Im Jahre 1909 trat der junge Dirigent Fritz Busch seinen Dienst bei der Kurkapelle an. Dieses Engagement wurde zum Ausgangs­­punkt seiner Weltkarriere. Dresden, Buenos Aires, Stockholm und die Gründung des Glyndebourne Festivals in England etablierten seinen Ruhm. Der gefeierte Mozartdirigent des 20. Jahrhunderts lernte in diesem Hause seine spätere Frau kennen.
Zu den Gästen der charmanten und gewandten Sophie zählte alles, was von 1800 bis 1810 in der Residenz mit Rang und Namen auftrat: u. a. Achim von Arnim, Clemens Bren­­tano, Adalbert von Chamisso, Joseph von Eichendorff, Friedrich de la Motte Fouqué, Wilhelm von Humboldt, Jean Paul, Heinrich von Kleist, August von Kotzebue, Adam Müller, Friedrich August und Wilhelm Schlegel, Johann Gottfried Seume, August Varnhagen von Ense, Zacharias Werner, Karl Friedrich Zelter. Sie korrespondierte mit Joachim Heinrich Campe, Johann Wilhelm Ludwig Gleim und Johann Gottfried Herder. (Zehn dieser Herren sind auch als Pyrmonter Kurgäste bekannt geworden.)

Auch Goethe hat ein vorzügliches Interesse an dieser attraktiven Frau gefunden; sie weilte in Weimar im kleinen Kreis in seinem Haus und besuchte mit ihm die Oper. Sie begann, ihm Briefe zu schreiben, und er übernahm schließlich auch noch die Patenschaft für ihre Tochter. Deshalb verkehrte der Dichter bei seiner Pyrmonter Kur auch bei der älteren Schwester von Sophie Sander, nämlich im Hause (heute „Jägerlatein“) von Dorothea Karoline Scholing, zu der er notierte: „Anmutige und liebenswürdige Freundinnen machten den Zirkel(!) höchst wünschenswert“. Und an Sophie schrieb er: „In Pyrmont habe ich Ihrer viel gedacht, und es ist mir beinah anschaulich geworden, wie es möglich sei, dass dieser Ort so wundersam artige Gevatterinnen hervorbringe und bilde.“  

Daran anknüpfend ist es das erste Anliegen des neuen Pyrmonter Salons, hier wiederum jene individuellen künstlerischen literarisch-musikalischen Kräfte zur Geltung zu bringen, die eine besondere kulturelle Qualität ausstrahlen. In diesem Geiste heißen wir Sie als Freundinnen und Freunde der schönen Künste im „Pyrmonter Salon“ herzlich willkommen!

Pyrmonter Salon - Ihr Rendezvous mit der neuen Salonkultur

Mit Ihrer Mitgliedschaft im gemeinnützigen Verein „Pyrmonter Salon e.V.“ nehmen Sie gemäß der gültigen Satzung teil an der Förderung von Kunst und Kultur in der Region Bad Pyrmont:  

„Der Satzungszweck wird insbesondere verwirklicht durch die Veranstaltung von Konzerten, Lesungen, Vorträgen, Vernissagen und Kombinationen dieser Formen. Dabei soll der Schwerpunkt auf Veranstaltungen liegen, die das Zusammenspiel der Kunstformen Musik, Literatur und bildende Kunst verdeutlichen, wobei die Musik im Mittelpunkt stehen wird. Dies kann durch Referenten begleitet werden, die den künstlerischen oder kulturwissenschaftlichen Hintergrund erläutern.“  

Alle Veranstaltungen sind öffentlich, aber in privatem Rahmen, so z. B. auch im Saal des „Haus Bathildis“ in der Bathildisstr. 3. Als Vereinsmitglied haben Sie bereits zwei Wochen vor dem offiziellen Verkaufsbeginn Zugriff auf die Eintrittskarten. Darüber hinaus wird nur ein begrenztes Karten-Kontingent verkauft. Sie kommen in den Genuss von exklusiven Einführungsveranstaltungen und haben nach der Veranstaltung bei einem Glas Sekt die Möglichkeit, in der persönlichen Begegnung mit den Interpreten, Ihre künstlerischen Eindrücke zu vertiefen.  

Der aktuell gültige Beitrag zum „Pyrmonter Salon e.V.“ beträgt 50,00 EUR jährlich. Siehe dazu beiliegende Beitrittserklärung.

Gesellschaftlicher Gedankenaustausch und Ort der Begegnung: „Pyrmonter Salon e.V.“ - gegründet am 30. November 2014

1. Vorsitzende: Luisa Islam-Ali-Zade